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„A dream came true“

Der Saisonhöhepunkt nicht nur unserer ersten Mannschaft, sondern der ganzen Radballwelt war am letzten Oktober-Wochenende im Baden-Württembergischen Ludwigsburg, und nicht wie geplant schon zwei Wochen vorher im englischen Derby. Er war nicht nur eine Reise wert, sondern auch ein Wahnsinnserfolg unserer Steiner Radballer. Was vor einem Jahr nur wie ein Scherz anmutete, mutierte im Laufe der Saison immer mehr zu einer realen Option. Das Erreichen dieses Turniers war, wie schon beschrieben, ein Riesenerfolg, eine Medaille zu erreichen war das Sahnehäubchen auf der Riesentorte.

In der Vorrundengruppe traf man auf die Teams aus Frankreich, Japan und Belgien. Allesamt waren diese Mannschaften als schlagbar betrachtet, aber wer vor dem Spiel schon gewonnen hat, wacht manchmal nach dem Spiel böse auf. Nicht so Robert und Michi, denn die Chance etwas Einmaliges zu erreichen wollten sie unbedingt nutzen und entsprechend hochkonzentriert ging man in diese Partien.

Vorrunde Spiel 1 gegen Frankreich 7:4 (3:1):
Ein konzentrierter Auftritt mit viel Ballkontrolle und guter Chancenverwertung war im ersten WM-Spiel ihrer Karriere der Schlüssel zum Erfolg. Bereits nach knapp vier Minuten wurde ein beruhigender 3-Tore-Vorsprung herausgespielt. Erst eine Ecke verhalf Frankreich zum Anschlusstreffer vor der Pause. Danach lauerte man auf Fehler der Franzosen und schlug noch zweimal eiskalt zu. Auch drei Gegentreffer in Folge konnte unsere Mannschaft nicht aus dem Konzept bringen. Sie hielten den Ball in ihren Reihen und nutzten zum Ende hin clever ihre Chancen.

Vorrunde Spiel 2 gegen Japan 9:1 (5:1):
Mit etwa 90 Sekunden Anlauf kamen unsere Jungs ins Rollen und über die japanische Mannschaft brach ein Unwetter in Form von 9 Toren herein. Michi hatte mächtig Spaß am Toreschießen und netzte in der ersten Hälfte gleich fünfmal ein, ehe der japanischen Mannschaft kurz vor dem Halbzeitpfiff der Ehrentreffer gelang. Nach dem Seitenwechsel ging es ähnlich weiter. Michi und Robert erhöhten dann noch auf 9:1. Hinten ließen sie außer einem Lattentreffer der Japaner nichts mehr zu, und fuhren einen ungefährdeten Sieg ein.

Vorrunde Spiel 3 gegen Belgien 7:3 (3:2):
Auch gegen die belgische Mannschaft war man favorisiert ins Spiel gegangen. Doch zu Beginn taten sich die beiden Steiner bzw. deutschen Radballer schwer. Nach einem Blitzstart fing man sich nicht nur den Ausgleich ein, sondern lag kurz darauf zum ersten Mal bei der Weltmeisterschaft im Rückstand. Doch der sofortige Ausgleich und ein weiterer Treffer drehten das Spiel noch vor der Halbzeitpause und beruhigte die Nerven zumindest etwas. Nach dem Seitenwechsel war dann die Konzentration wieder voll da und man zog unaufhaltsam davon. Der zwischenzeitliche Anschlusstreffer sorgte nur kurz für Unruhe unter den Fans, denn kurz darauf legten Robert und Michi den tapfer kämpfenden Belgiern noch zwei Eier ins Nest und der Gruppensieg war eingetütet.

Zwischenrunde gegen Österreich 5:9 (1:5):
Im Zwischenrundenspiel gegen den Topfavoriten aus Österreich war man Außenseiter und leider wurden man dieser Rolle gerecht. Die Rot-Weiß-Roten legten fulminant vor und stellten frühzeitig die Weichen auf Sieg. Erst Mitte der ersten Hälfte konnten sich unsere Beiden vom Druck befreien und erzielten prompt das erste Tor. Gegen Ende der Halbzeit leistete man sich zwei technische Fehler, welche der Gegner eiskalt nutzte. Im zweiten Abschnitt ein ähnliches Bild. Österreich legte schnell drei Tore vor ehe man selber eigene Chancen verwerten konnte. Zum Schluss wurde es vogelwild. In den letzten beiden Spielminuten erzielten die Deutschen Radballer noch drei Tore, aber das war schlussendlich nur Ergebniskosmetik. Insgesamt war das Spiel zu fehlerbehaftet und das nutzte der Favorit konsequent aus.

Viertelfinale gegen Ungarn 9:1 (4:0)
Frustbewältigung und zeitgleich Fokussierung auf die Aufgabe die da heißt: Einzug ins Halbfinale. Diesmal ging man wieder als klarer Favorit in die Partie gegen die Osteuropäer. Robert und Michi lieferten, und wie. Sie ließen den Gegner in keiner Phase des Spiels auch nur den Hauch einer Chance und stellten die Weichen frühzeitig auf Sieg. Die Ungarn konnten erst kurz nach der Pause Ergebniskosmetik betreiben, dann allerdings zeigte unser Team, wer Herr im eigenen Hause ist. Der Sieg ging auch in dieser Höhe in Ordnung.

Halbfinale gegen Tschechien 4:3 (3:1)
Das bislang größte und wichtigste Spiel der langen Karriere von Robert und Michi war dieses Halbfinale der Weltmeisterschaft. Tschechien spielte bis dato eine ausgezeichnete WM und kam ungeschlagen ins Halbfinale. Dabei schlugen sie in der Vorrunde die Schweiz und spielten gegen Österreich unentschieden. Das war Warnung genug für unsere Radballcracks. Aber man hatte die Spielweise der Tschechen gut analysiert und spielte kein Harakiri. Lange Ballbesitzphasen und hochkonzentrierte Abwehrarbeit waren der Schlüssel zum Finaleinzug. Bis kurz vor dem Seitenwechsel schlugen Robert und Michi dreimal gnadenlos zu bevor Tschechien zum Anschlusstreffer kam. Nach dem Pausentee verkürzten unsere östlichen Nachbarn und das Spiel stand auf des Messers Schneide. Nachdem Michi erneut traf musste Tschechien nochmal alles geben doch Robert parkte einen Bus vor seinem Tor. Mega-Saves waren jetzt gefragt und Robert zeigte, dass er einer der besten Torhüter auf diesem Globus ist. Dennoch musste er sich kurz vor Schluss nochmal geschlagen geben und die letzte Minute war nichts für schwache Nerven. Ballbesitz Tschechien 15 Sekunden vor Schluss, Robert sprang aus dem Tor und schnappte sich den Ball. Nachdem er noch einen letzten Freischlag hielt gab es kein Halten mehr für die Jungs und natürlich auch die mitgereisten Fans. Jeder umarmte Jeden und man lag sich in den Armen. Auch die eine oder andere Träne wurde vergossen. Der wohl emotionalste Moment bei dieser WM. Das Finale der Weltmeisterschaft war erreicht! Was für ein Erfolg.

Finale gegen Österreich 1:8 (1:4)
Das Finale war die Kirsche auf dem Sahnehäubchen dieser WM von Robert und Michi. Der Gegner war schier übermächtig ins Finale eingezogen und wurde dann auch seiner Favoritenrolle gerecht. Allerdings verlief die erste Halbzeit doch spannender als viele es vermuteten. Nach dem schnellen 3:0 der Österreicher kamen unser Radballer immer besser ins Spiel und verkürzten. Auch zwei Pfostentreffer hätten dem Spiel eine andere Richtung geben können, aber das Glück war in diesem Spiel nicht auf unserer Seite. Unmittelbar vor der der Pause entschieden die Schiedsrichter auf einen sehr umstrittenen Freischlag gegen uns und den ließ sich der gegnerische Torwart mit Hilfe des Innenpfostens nicht nehmen. Doppeltes Pech. Das 1:4 war dann wohl die Vorentscheidung. Nach der Pause versuchten Robert und Michi wirklich alles, Michi fuhr als ob es kein Morgen gäbe und Robert kämpfte um jeden Ball der auf sein Tor flog. Die Jungs aus Stein versuchten wirklich alles, doch das gegnerische Tor war wie vernagelt, und wenn man offensiv spielt läuft man zwangsläufig auch in Konter und so fingen sie sich noch vier Tore, die aber dann bedeutungslos waren. Der Radballgott war leider heute nicht auf deutscher Seite. Das soll die Leistung der Österreicher natürlich nicht schmälern, sie sind verdient Weltmeister geworden und das muss man neidlos anerkennen. Wir gratulieren Patrick Schnetzer und Markus Bröll zu dieser famosen Leistung. Die salzigen Tränen der Trauer auf deutscher Seite wurden dann auch schnell süß und wurden bei der Medaillenübergabe zu Freudentränen.

Fazit:
Eine lange Reise endete vorerst für Robert und Michi an diesem Wochenende mit dem Titel: VIZEWELTMEISTER!! Was für eine unglaubliche Geschichte, die diese beiden Jungs schrieben. Vor 25 Jahren gewannen sie ihren ersten gemeinsamen Titel: die bayrische Meisterschaft der B-Schüler. Viele harte Jahre Radballtraining liegen hinter ihnen und viel Blut, Schweiß und Tränen sind geflossen. Was man dabei nicht vergessen darf, ist die Arbeit vieler Menschen, die hinter dem Erfolg stehen. Angefangen von Oma Erika mit ihrem Zaubertrank, den zahlreichen Helfern bei den Heimspielen, den Trainern und Betreuern Kurt, Peter und Gerhard, den Kindern und Jugendlichen des Vereins sowie deren Eltern, die auch auswärts oft dabei waren und vor allem die Familien von Robert und Michi. Nicole mit Jasmin, Sophia und Leonie sowie Silvia mit Raphael und Luisa, die viele Male auf ihre Männer bzw. Väter verzichten mussten waren immer ein starker Rückhalt. Der Erfolg ist demzufolge auch und vor allem auch ein Erfolg der gesamten Vereinsfamile im RMC Lohengrin Stein. Herzlichen Glückwunsch Robert und Michi, ihr seid unsere:
WELTMEISTER DER HERZEN
Fotos: privat